Gertrud Nolte

Lieber geschätzter GGL, hier zu Ehren Deines 100!

Vorworte
Des Hundertsten von GGL, dem großen, nimmer müden, deutlichen, harten, aber herzlichen Denker, Vordenker und Mitdenker in allen Belangen, die mit Buchstaben, Würde, Haltung und Lehre in Berührung kommen. Und diese Berührungen bleiben unvergesslich, bleiben hängen und prägen.

Zur Ehrung dieses großartigen Geistes und der Begegnung mit dem Menschen dazu möchte ich hier etwas wiederholen, was eben genau mit diesen Berührungen und den Folgen zu tun hat.

Vortrag vom 24. Juli 2009, 18 Uhr (also vor sieben Uhr) in München bei der tgm, anlässlich der 55. TDC NY Ausstellung und Denken an GGL mit der Günter Gerhard Lange Soirée (die ersten Worte, Auszug)

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Siebeng’scheit oder Neu(n)malklug?

Wieso – Weshalb – Warum ich so provokativ frech das Thema benannte, wird gleich – durchs Sieb gegangen – noch vor Sieben (Uhr) aufgelockert und ausgebreitet sein. Zunächst aber begrüße ich Sie sehr herzlich zu diesem besonderen Abend (und nun dem hundertsten von GGL)! Eine Kombination vieler verbaler, visueller und visionärer Rück- und Vorbesinnungen oder Bestimmungen im Beisein vieler Freunde und Verwandter der Typen und Typographen. So sind wir hier wegen des TDC und des GGL oder wegen GGL und TDC oder wegen des Sehen und Gesehenwerdens. Zu dem konkret zu Sehenden, dem Bebilderten hier um uns herum sage ich Nichts! Man könnte sonst in Versuchung geraten … Das sehen Sie selbst. Nichts ist schlimmer auszuhalten als eine Einführung, die nur das beschreibt, was man eh’ selber sieht, gespannt ist zu sehen und sowieso besser sieht als jeder andere … das ist normal.

Ich möchte hier eher versuchen, ob wir nicht diese ausgesuchten (ausgesiebten) Arbeiten zum Anlaß nehmen können, uns selbst zu beobachten. – Zudem ist es heute eine besondere Situation, Lage oder besser Stellung, da wir hier nicht nur die neue TDC-Show feiern und kritisch sichten werden, sondern auch unseren scharfzüngigen, schnellen, ehrlichen, harten aber doch sensiblen – was die »black-characters« angeht – Freund, Lehrer, Charmeur und Gesellschafter, auch ›besonderen Begleiter in jedem Satz‹ zu ehren und zu grüßen.

Deshalb auch versuche ich die Ligatur zwischen TDC, GGL und mir. Werde somit »Sieben’gscheit«. Vermutlich, weil es anmaßend ist, gewiss, aber weil ich eine Renaissance starte. Die Wiedergeburt eines vor (sic.) sieben Jahren (inzwischen 19 Jahren) gehaltenen (echten) Dia-Vortrages — zur Eröffnung der »Best in Stationary of the TDC NY« bei der 4. s.a.x. conference auf der Bühler Höhe im Jahre 2002 — im Beisein von eben GGL, mit dem Erfolg, daß er an dem Abend danach ca. sieben Stunden mich nicht aus der Zeile ließ, das Spacing wurde eng.

Wie Sie alle wissen, erneuert sich unser komplettes Zellprogramm alle sieben Jahre. D.h. auch wir runderneuern uns rund um die Lebensuhr.

Nach diesen offenbar rhythmisierenden sieben Jahren kann ich mir das NachSieben und AusSieben nicht verkneifen. Silberfischchen soll es nicht geben. Darum kürze ich heraus, ergänze, bleibe aber sonst identisch und wie immer selbst-authentisch als Botschafterin.

Und da stellen sich Fragen, die GGL mit mir formulieren wollte:

Wie werden wir,
was wir sind, und
wie wir sind?
Wie erhalten wir uns?
Was tun wir, um authentisch zu sein?

Ausbildung ist von Nöten:

Haltung zu sich.
Haltung zu anderen.
Und damit
Haltung erlangen.
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Gertrud Nolte