Rudolf Paulus Gorbach

GGL 100
Zunächst hatte ich ihn verpasst. 1961 im 1. Semester an der Meisterschule für Grafik, Druck und Werbung in Berlin hatte GGL eben seine Tätigkeit beendet, war aber überall zu »spüren«. Die Auswahl der Bleisatzschriften, stark Berthold; Gespräche mit älteren Semestern und Dozenten, GGL positiv erinnernd. Zudem studierte ich zusammen mit GGLs ehemaligem erstem Akzidenzsetzer bei der Berthold AG, Günter Becker. Alsbald durfte ich GGL bei der Typographischen Gesellschaft Berlin (die gab es damals, wenn auch nicht so groß wie die in München) kennenlernen. Und es ergaben sich motivierende Gespräche für mein Studium. 

Später, ich war Herstellungsleiter in einem Münchner Buchverlag, trafen wir uns wieder bei der tgm oder in der Galerie Intergraphis in München. Ich bekam bei jeder Begegnung viele Anregungen zur Schriftwahl, aber auch zur Gestaltung. Und eigentlich war und ist mein Schriftdenken von GGLs Schriften stark beeinflusst. Und das zog sich hin vom Bleisatz über Diatype, Diatronic und bis zum Ärgernis, als es in der digitalen Zeit schwierig wurde, an Berthold Schriften zu kommen.

GGL begrüßte mein Eintreten in den Vorstand der tgm, hatte mich zu einem Zukunftspaper aufgefordert oder eher schon provoziert, was zur Folge hatte, dass ich 11 Jahre Vorsitzender der tgm wurde. Und im übrigen motivierte mich 1990 besonders GGL bei der Gründung meines Jahreskurses Typografie (heute »Typografie intensiv«). 

Als Vorstand der tgm musste ich GGL in Sachen der tgm auch einige Male deutlich widersprechen. Das führte leider zu einer Trübung unserer Beziehung, die zu meinem Bedauern nie mehr ganz ins Reine kam. Über die Hintergründe wollte er mit mir nicht reden. Meine Achtung vor ihm und seinem Lebenswerk schmälerte das trotzdem nicht. 

Rudolf Paulus Gorbach